BV ROCHUSSTRASSE, HANAU-GROSSAUHEIM

Das historisch wertvolle Bahnwärterhaus spricht die
Sprache des späten 19ten Jahrhunderts und wurde als
Teil der Maintalbahn baugleich zu verschiedenen standardi-
sierten Bahnwärterhäusern diese Strecke errichtet. Rohziegel-
bauweise, schlichte stichbogige Fenstergewände und hölzerne Klappläden gestalten die Fassade. Die historischen Galgen-
fenster sind leider verloren gegangen. Es ist ein bescheidenes Wohnhaus direkt am Bahnübergang, was da als Kulturdenkmal der Stadt Hanau eingetragen ist. Im Jahr 2012 wurden wir darum gebeten eine Dachsanierung zu koordinieren und alle notwendigen Genehmigungen dafür einzuholen. Das Dach
war mit seinen sicher 70 Jahren ziemlich marode. Zudem verschlechterte eine unsachgemäße Sanierung vor zehn Jahren
den Zustand des Daches zusehend. Da das Gebäude unter Denkmalschutz steht waren einige Dinge zu beachten. In erster Linie galt es den Belangen des Denkmalschutzes gerecht zu werden ohne dabei die Ziele der Bauherrschaft außer Acht
zu lassen. Das Landesamt für Denkmalpflege war natürlich
an einer Sanierung entsprechend dem historischen Vorbild interessiert, während es der Bauherrschaft darum ging neben einer neuen Dachdeckung auch entsprechende energetische Sanierungen durchzuführen. Dies widerspricht sich im großen Maße, doch durch eine präzise Detailplanung konnten die historischen Dachränder weitestgehend erhalten werden,
ohne auf energetische Maßnahmen verzichten zu müssen.
Spannend war im Abschluss noch die Suche nach einer geeigneten Dachdeckung. Die ersten Spekulationen gingen
von Biberschwanzziegel über altdeutsche Schieferdeckung zu Doppelmuldenfalzziegel. Der bestehende Schuppen im rückwärtigen Grundstücksteil hat schließlich geholfen. Er hält noch die originalen Dachdeckung im Bestand und zeigte ein eher seltenes Ziegelprodukt: den sogenannten Herzziegel.
Er ist der erste Falzziegel in der Geschichte der Dachdeckungen.