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Bei dem Projekt Im Rausch handelte es sich um den Wunsch der Bauherrschaft nach einem modernen Badezimmer und der Erweiterung des Wohnhauses um einen Wintergarten. Mit viel Freude und Elan entwickelten wir Pläne für einen modernen Holzbau, der das Material zelebrieren sollte und sämtliche Aufgaben wie Tragstruktur, Raumabschluss und Sonnenschutz übernehmen sollte. Das Ziel war ein Spiel aus Licht und Schatten, Privatsphäre trotz maximaler Öffnung. Der Entwurf wurde nie realisiert. In der Hochfase der Staudingerproteste eröffnete uns die Bauherrin, dass auf den geplanten Wintergarten kein Holz sondern eine Photovoltaikanlage zu platzieren ist. Ihr offener Beitrag zur lokalen Debatte... Unsere Gedanken an das feingliedrige Holzgerüst schmerzlich in der Kiste der nichtrealisierten Projekte verstauend, begann der Prozess des Umdenkens: Weg vom Holz hin zur Technik.
Die Wahl einer rein additiven Lösung wurde von uns kategorisch ausgeschlossen! Sind doch die auf Dächern wild verteilten PV-Module optisch eher ein Dorn im Auge des Architekten. So begann dieser mit Tatendrang die Suche nach integrativen Systemen, die neben Solarenergie noch mehr können sollten. PV als Sonnenschutz, PV als Raumabschluss, PV zwischen Glas, etc… Aufgrund der Kosten gelangten wir schließlich dennoch bei einem additiven System, was sich jedoch flexibel in der Gestaltung präsentierte. Die Firma WürthSolar, die hocheffiziente, vor allem jedoch in der Dimensionierung kleine Module liefern konnte, bot uns den Nährboden für die Gestaltung. Dank dem deutschen Solarmodulhersteller hatten wir nun 36 Stück, die es galt in unterschiedlichen Varianten einander zuzuordnen und zu einem Muster auf dem Dach des Wintergartens zu fügen. Der Anlagenbauer konnte dem Prozess wenig folgen und verstand erst nach einer praktischen Veranschaulichtung an einer Musterfläche den Sinn hinter dieser Vorgehensweise: Licht statt nur Strom. Nach dem sehr langwierigen Planungsprozess der Photovoltaik gelangten wir schließlich wieder zur Planung der Basisparameter: ein Bad, ein Wintergarten und der verbindende Flur.
Es galt noch zahlreich unorthodoxe Lösungen zu entwickeln, zu planen und umzusetzen. Dem gemeinsamen Anspruch an Qualität, Nutzen und Ästhetik verbunden, sollten jedoch auch die letzten Hürden genommen werden um das Objekt im Spätsommer 2012 schließlich zu beziehen. Es war ein spannender und aufregender Prozess, manchmal auch eine Gradwanderung. Doch gerade diese Spannung machte das Projekt für alle Beteiligten zu etwas Besonderem, was man noch heute beim Antreffen der Bauherrin verspürt. Vielen Dank für das außerordentliche Vertrauen in unser noch junges Büro. |