BV WILHELMSTRASSE, METZINGEN - DIPLOMARBEIT: UNIVERSITÄT STUTTGART IN ZUSAMMENARBEIT MIT DER UNTEREN DENKMALSCHUTZBEHÖRDE TÜBINGEN - ARCHITEKTUR: KEPPLER ARCHITEKTEN, MÜNSINGEN

Das Fachwerkhaus Wilhelmstrasse 14 samt seiner zweier Nachbarn am Rande der Metzinger Altstadt schien den Stadtverantwortlichen der Outlet-City auf der Suche nach noch mehr Parkplätzen ein Dorn im Auge. Grund genug historischen Altbestand, sogar ältesten Bestand zu beseitigen. Die Denkmalpflege konnte gerade noch das ältese Haus des Ensembles, was den Dreißigjährigen Krieg überlebte, unddas ist im Süden Deutschlands eine herausragende Leistung und eine Seltenheit an dem damals so florierenden Flecken, unter Schutz stellen. Rund fünf Jahre versuchte sich eine Projektentwicklungsfirma, die sich offensichtlich vergriffen hatte, an der Vermarktung des Objektes. Nun ist Metzingen nicht der uninteressanteste Ort. Die Heimat von Hugo Boss mit den ersten Fabrikationsstandpunkten wirbt seit Jahren mit dem Werksverkauf. Nicht nur Boss ist hier vertreteten. Zu dem Metzinger Unternehmer gesellten sich alle Großen der Modebranche und machten den Ort so zur größten Outletmetropole mit rund 4 Millionen Besuchern pro Jahr; Tendenz steigend. Das mag nicht viel klingen, doch in einem Ort mit rund 20.000 Einwohner wirken 4 Millionen Menschen durchaus seltsam.
Meine Aufgabe befand sich im Spagat zwischen Denkmalschutz und Marktvorteilen. Der Projektentwickler suchte maximale Fläche, vorzugsweise im Erdgeschoss. Der Denkmalschutz versuchte den Erhalt des in vielen Zügen noch allemannischen Fachwerkhauses. Und die Stadt versuchte das Geischt zu wahren und noch ein paar Stellplätze zu erhalten. Die Situation war vollständig verfahren. Vielleicht war es der frische Blick auf die Dinge, die sich in der Zeit so verkrampft hatten.... In einer großen Sitzung mit Denkmalschutz, Stadtplanung, Projektentwicklung samt Architekten und möglichem Investor konnte ich, zugeben sehr undiplomatisch, das Projekt wieder auf Kurs bringen. Der Investor erhielt eine Verdopplung der Grundfläche im Erdgeschoss, der Dennkmalschutz erwirkte eine denkmalgerechte Sanierung des Fachwerkhauses inklusive städtebaulicher Rückeinbindung in einen historischen Kontext. Und die Stadt bekam ein neues Aushängeschild mit historischer Identität unter Aufgabe der Parkplatzidee. Dreizigjähriger Krieg und viele folgenden, Flutkatastrophen und Feuerbrunst konnte dem Gebäude 500 Jahre lang nichts anhaben, doch ein paar Parkplätze wären beinahe sein Ende gewesen. Ich werde wohl trotzdem nicht mehr mit folgenden Worten beginnen: "Ich empfinde, dass Sie allesamt an einer Kette von von Fehlplanungen festhalten!"